Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf (FALL)

Forschung: ! Vorruhestand

 

Leben im Vorruhestand

Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung, 1986-1988



Projektbeschreibung

Der engere Gegenstand dieser Untersuchung - die gesetzliche Vorruhestandsregelung und ihre tarifvertragliche Ausgestaltung in der Chemie- und Papierindustrie (1984-1988) - scheint auf den ersten Blick lediglich eine Episode aus der Abfolge verschiedener Instrumente der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu bezeichnen. Bei näherem Hinsehen erweist sich der Vorruhestand jedoch als Strukturvariante eines allgemeineren Przesses, nämlich der tiefgehenden Veränderungen des Verhältnisses von Erwerbsleben und Ruhestand. Die Untersuchung ist als exemplarische Fallstudie zu verstehen, die nicht auf die Vorruhestandsregelung in der Chemie- und Papierindustrie begrenzt war, sondern an diesem konkreten Beispiel Gesichtspunkte der Veränderungen der Lebenslauforganisation insgesamt aufzeigte. Die Erfahrungen mit dem Vorruhestand ermöglichten einen qualifizierten Vergleich der verschiedenen Maßnahmen der Regulierung von Arbeitsmarkt und Altersgrenzen und ihrer individuellen und gesellschaftlichen Folgen.

Die empirische Untersuchung basierte im wesentlichen auf einer Kombination von drei Verfahren:

Die Betriebsfallstudien dienten zunächst dazu, die betriebliche Ausgestaltung der Vorruhestandsregelung und die dahinter stehenden Interessen sowie die Situation der älteren Arbeitnehmer im Betrieb zu analysieren. Sie waren aber auch eine notwendige Voraussetzung für die Analyse der individuellen Vorruhestandsentscheidung, indem sie die Zwänge und Alternativen beleuchtete, unter denen diese stattfindet. Die Kombination von betrieblichen und individuellen Daten ermöglichte es also, die Vorruhestandsentscheidung als Aushandlungsprozeß zu begreifen und ihre Bedeutungsfaktoren auf beiden Ebenen zu erfassen. Der quantitative Untersuchungsteil basierte auf einer schriftlich-postalischen Befragung zur Stellung gegenüber der Vorruhestandsregelung. Ein anschließender zweiter Fragebogen thematisierte spezifisch die jeweilige Situation der "Ablehner", "Interessenten" und "Vorruheständler". Mit dieser Kombination von qualitativen und quantitativen Verfahren konnte - im Sinne einer "Triangulation" - die Gültigkeit und Zuverlässigkeit der Befunde erhöht und ihre Reichweite besser eingeschätzt werden.

Die Studie untersuchte den betrieblichen Umgang mit älteren Arbeitnehmern, aber auch deren persönliche Erfahrungen und Erwartungen. Damit stellt sie nicht nur Grundlagen für sozial- und tarifpolitische Entscheidungen bereit, sondern gibt auch Anstöße für die theoretische Interpretation des Trends zum frühen Ruhestand.


Mitarbeiter

Prof. Dr. Martin Kohli (Projektleiter)
Dr. Wolfgang Voges (wiss. Mitarbeiter)
Beate Mücke (wiss. Mitarbeiterin)
Martina Schürkmann (wiss. Mitarbeiterin)
Claudia Gather (wiss. Mitarbeiterin)
Jürgen Wolf (wiss. Mitarbeiter)
Harald Künemund (stud. Mitarbeiter)


Wichtigste Veröffentlichung:

Martin Kohli, Claudia Gather, Harald Künemund, Beate Mücke, Martina Schürkmann, Wolfgang Voges & Jürgen Wolf (1989): Je früher - desto besser? Die Verkürzung des Erwerbslebens am Beispiel des Vorruhestandes in der chemischen Industrie. Berlin: Edition Sigma.

Zu weiteren Veröffentlichungen vgl. die Literaturübersicht der Forschungsgruppe.


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