Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf (FALL)

Veröffentlichungen: ?  Brauer 2005

 

Brauer, Kai (2005): Bowling together - Clan, Clique, Community und die Strukturprinzipien des Sozialkapitals. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften (335 Seiten, Großformat, 39,90 Euro, ISBN: 3-53114307-7).



Clanton liegt im mittleren Westen der USA und ist eine krisengeschüttelte rurale Gemeinde, in der vor allem ältere Farmer wohnen. Oft werden solche Orte als „peripher“ und „überaltert“ gebrandmarkt und damit deren quasi „natürliche“ Benachteiligung im Modernisierungsprozess zu begründen versucht. Im vorliegenden Fall nimmt die Geschichte einen anderen Verlauf. Die Einwohner (800) spenden 1,2 Mill. US$ für ein modernes Sanatorium. Durch diese enorme Initiative entsteht ein neuer lokaler Vergesellschaftungskern, der die herausgehobene ökonomische Position Clantons in der Region nachhaltig sichert. Die Frage der Clantonstudie stellt somit den in Putnams Bestseller (Bowling alone) konstatierten Zusammenhang zwischen der Abnahme des sozialen Kapitals und Modernisierung von Kopf aus die Füße: Wie ist bürgerschaftliches Engagement unter den Vorzeichen von Individualisierung und ökonomischer Krise möglich? In der umfassenden biographischen und ethnographischen Studie wird deutlich, dass die den Ort prägenden Clans und Cliquen keineswegs in traditionalen Ligaturen gefangen sind, sondern ihrerseits den Individualisierungsprozess antreiben, der wiederum an den Kooperations- und Konkurrenzbeziehungen der lokalen Netzwerke ansetzt. Zur Definition und Förderung von bürgerschaftlichem Engagement wird daher nicht auf traditionalistische Werte und romantische Vorstellungen der „Dorfgemeinschaft“ zurückgegriffen, sondern vier allgemeine Strukturprinzipien (Heterogenität, Optionalität, Statuspotential und Transparenz) für gemeinnützige Netzwerke vorgeschlagen. Jenseits der Messung solidarischer Einstellungen und der Zählung von Vereinsmitgliedschaften wird somit der Blick auf die günstigsten Verfahren und Organisationsprinzipien zivilen Engagements gelenkt.


Inhalt:

I. Einleitung

II. Gemeindesoziologie und community studies
1. Was sind community studies?
2. Explorationen sozialer Strukturen: Fallbeispiele
3. Community studies als empiriegeleitete Theoriesynthese

III. Clanton, Iowa. Eine Gemeindestudie
1. Einleitender Zugang: Besichtigung einer Farm Town ohne Farmen
2. Methodischer Zugang: Suche nach einer Gemeinde
3. Historischer Zugang: Suche nach den Anfängen
4. Familiengeschichtlicher Zugang: Verwandtschaftsstrukturen & Clans
5. Gemeindesoziologischer Zugang: Die Farmkrise & das Cliquenphänomen

IV. Fallrekonstruktion Kenneth McCoin: Ein Farmer in „Troubled Times“
1. „Always busy“: Interviewsituation zwischen Büro und Panoramafenster
2. „And those were very hard times“: Farm- und Familie im Interviewanfang
3. „I was born in a rural community --- 1931“: Analyse objektiver Daten
4. „Escaped from the Crisis“: Biographische Strukturen
5. Community als stabilisierender Rückhalt und Individualisierungsagentur

V. Sozialkapital und Strukturen des zivilen Engagements
1. Einleitung
2. Definitionen und Dimensionen des Sozialkapitals
3. Gemeinschaftlichkeit und Modernität
4. Tranlin: Sozialkapital im Gesellschaftvergleich
5. Fazit: Zur Struktur des Sozialkapitals

Literatur
Anhang


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