Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf (FALL)

Veröffentlichungen: ?Szydlik 1997

 

Szydlik, Marc (1997): Sozialisation und Generationenbeziehungen: Einelternfamilien und intergenerationale Beziehungen im Erwachsenenalter. In: Mansel, Jürgen, Gabriele Rosenthal & Angelika Tölke (Hg.): Generationen - Beziehungen, Austausch und Tradierung. Opladen: Westdeutscher Verlag, 137-145.

In diesem Beitrag werden vor allem die fünf folgenden Fragen adressiert: 1. Wirken sich unterschiedliche frühere Familienformen überhaupt auf die Generationenbeziehungen im Erwachsenenalter aus? 2. Inwiefern existieren unterschiedliche Folgen für Töchter und Söhne, Mütter und Väter? 3. Hängen die späteren Generationenbeziehungen geschiedener bzw. getrennt lebender Eltern davon ab, ob man mit seinem minderjährigen Kind zusammengelebt hat oder nicht? 4. Macht es einen Unterschied, ob man bei einer verwitweten oder einer geschiedenen bzw. getrennt lebenden Mutter aufgewachsen ist? 5. Inwieweit verringert sich die Bedeutung dieser frühen Erfahrungen im Laufe der Zeit?

Die empirischen Analysen zeigen, daß das Elternhaus zum Teil bedeutende Folgen für die Generationenbeziehungen im Erwachsenenalter hat. Das Aufwachsen bei einer alleinerziehenden Mutter verschlechtert die Beziehung zum Vater deutlich. Wer mit seinem minderjährigen Kind nicht zusammenlebt, spricht später von einer deutlich flüchtigeren Beziehung. Dies gilt sowohl für Töchter als auch für Söhne, aber in besonders deutlichem Ausmaß für die Tochter-Vater-Beziehungen. Wer bei keinem Elternteil aufgewachsen ist, hat zu diesen später ein wesentlich flüchtigeres Verhältnis. Auch hier leidet vor allem die Beziehung zur Tochter.

Es macht Sinn, bei den alleinerziehenden Müttern zwischen Witwen und von ihrem Partner getrennt lebenden Frauen zu unterscheiden. Kinder, die bei ihrer getrennt lebenden Mutter aufwachsen, empfinden ihre spätere Beziehung zu ihr nicht als weniger eng. Die Generationenbeziehungen dieser Kind-Mutter-Dyaden unterscheiden sich demnach nicht von denen, bei denen die Kinder bei beiden Elternteilen aufgewachsen sind. Dies gilt sowohl für die Tochter-Mutter als auch für die Sohn-Mutter-Beziehungen. Im Gegensatz dazu erweisen sich die wahrgenommenen Generationenbeziehungen zwischen Witwen und ihren Töchtern als flüchtiger. Dies spricht für die Hypothese, daß Einelternfamilien aufgrund des Todes des Partners als problematischer wahrgenommen werden als Einelternfamilien aufgrund der Trennung vom Partner.


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